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Operative Behandlungskonzepte

Prioritäten im Behandlungsplan

Ständige Kontrollen unserer Operationsergebnisse geben uns Aufschluß über die Wertigkeit der Verfahren, diese Qualitätskontrollen vermitteln uns Kenntnisse in den Versorgungsmöglichkeiten und unseren Patienten das Gefühl, sich um ihr Wohl zu bemühen. Diese Qualitätskontrollen unserer Arbeit bieten uns zudem eine optimale Möglichkeit, die Bedürfnisse unserer Patienten zu hinterfragen. So sind z. B. die rheumatischen Arthritiden mit ihrem Fortschreiten nicht ausschließlich durch medikamentöse Therapien beherrschbar. Zu unterschiedlich zeigen sich die Verläufe dieser Erkrankung, als daß man festverbindliche Behandlungspläne aufstellen könnte.
Das vielseitige Befallsmuster offenbart uns oftmals an einem Patienten viele Stadien der Zerstörung an mehreren Gelenken. Daher muß zwangsläufig über eine zeitliche und örtliche Reihenfolge der Versorgung, letztlich entsprechend der Wertigkeit der Eingriffe, über den Sinn von operativen Interventionen entschieden werden. Dabei sind Grad der Zerstörung, lokales Fortschreiten und vor allem vorbeugende Aspekte von ausschlaggebender Bedeutung.
Eine vorbeugend durchgeführte Maßnahme ist daher oftmals wichtiger als eine Rekonstruktion mittels Endoprothesen bei schon starken Zerstörungen oder Funktionsverlusten.
Zu spät durchgeführte operative Versorgungen schmälern auf der anderen Seite den Erfolg rekonstruktiver Maßnahmen. Endoprothesen stellen eine Gelenksituation technisch optimiert wieder her, aber der ge- oder zerstörte muskuläre Rahmen ermöglicht ausschlaggebend die Funktion des Systems. Starke Bewegungseinschränkungen und Fehlfunktionen im Arbeitsweg der Muskulatur durch zu langes Warten bis zur Versorgung verschlechtern die zu erwartenden Ergebnisse. Einmal eingetretene Zerstörungen und schnell fortschreitend vorhersehbare Verläufe lassen auch eine Ausreizung konservativer Maßnahmen, wie die Einlagenversorgung am rheumatischen Vorfuß bis zur endgültigen Versorgung mit der Vorfußkorrektur, sinnvoll erscheinen. Diese Abwägungen machen deutlich, daß ein operatives Konzept selten aus einer "Momentaufnahme" einer einmaligen Untersuchung erstellt werden kann, sondern stets der Konsens einer "Patientenführung und Begleitung" durch die Erkrankung von allen an der Behandlung Beteiligten sinnvoll sein sollte.
Die operative Behandlung eines an entzündlichem Gelenkrheuma Erkrankten kann ebensowenig allein existieren ohne eine systemische medikamentöse Therapie, wie umgekehrt. Eine sorgfältige Abwägung aller Möglichkeiten ist angezeigt. "Nicht erst, wenn alle Argumente versagen, sollte zu den Waffen gegriffen werden". Ziel muß es sein, am richtigen Ort zur richtigen Zeit sinnvoll einzugreifen, um Funktionsverschlechterungen zu vermeiden. Die systemische Aktivität muß genauso wirksam reduziert werden, wie die lokale Zerstörung oder der drohende Funktionsverlust beseitigt werden sollte. Dieses ist in enger Kooperation mit allen Beteiligten möglich. Mittlerweile haben wir viele Aufschlüsse anhand von Langzeitverläufen über die Wertigkeit unserer Eingriffe erhalten; dennoch werden viele Eingriffe, je nach Schule und Sprachraum, unterschiedlich bewertet. Während im deutschsprachigen und im skandinavischen Raum beispielsweise der Wert der präventiven Maßnahmen nahezu unangefochten ist, vertritt man im angloamerikanischen Sprachraum eher die Meinung, so lange abzuwarten, bis eine endgültige Versorgung mittels endoprothetischer Maßnahmen angezeigt ist.
Immer wieder wird das Argument angeführt, daß ohne Voroperation im Operationsgebiet bessere Ergebnisse zu erzielen sind. Rechtfertigt diese Aussage, den Patienten mit seinem Schmerz und seiner zunehmenden Fehlfunktion über einen langen Zeitraum allein zu lassen? Ist es auf der anderen Seite gerechtfertigt, einem Patienten mehrere operative Versorgungen bis zur endgültigen TEP-Versorgung zuzumuten? Auch wir haben diese Probleme oft mit unseren Patienten diskutiert. Wir sind nicht der Meinung, der Zerstörung, vornehmlich der Weichteile bis zur endoprothetischen Versorgung ungehindert zuzusehen. Unsere rekonstruktiven Versorgungen können nur bei rekonstruierbaren oder weitgehend intakten Weichteilverhältnissen optimal gestaltet werden. Das ist nur möglich, wenn man auch präventiv arbeitet!
Es ist letztlich eine Frage der Zugänge, der Operationstechnik und der Verfahren, wieviel ursprüngliches Terrain für eine optimale endoprothetische Versorgung erhalten werden kann. Wir haben unsere Versorgungsmöglichkeiten dadurch optimiert, daß von einem Zugang zum Gelenk alle operativen Verfahren durchgeführt werden können, und tragen somit zum Erhalt der mobilen Strukturen bei. Die Schulter ist sicher durch die komplexe Muskelversorgung ein schwieriges Gelenk, deshalb wäre möglichst frühzeitige Versorgung indiziert. Andererseits sind die Erfolge operativer Intervention an der Schulter nicht so spektakulär, und der Erhalt der Funktion an der Hand und Ellenbogen macht durch weitreichende Kompensationsmöglichkeiten dieser Gelenke den Eingriff an der Schulter für den Patienten nicht so zwingend. Die Eingriffe an der Hand sind für den Patienten, gerade bezogen auf die Schmerzbefreiung, Funktionsverbesserung und Stellungskorrektur, von deutlich sichtbarem Qualitätszuwachs.
Die Hand hat zudem als zweites Gesicht des Menschen ästhetisch beladene Emotionsmomente. Mit der Hand werden zwischenmenschliche Kontakte aufgenommen, ihr Befall mit Zerstörung verunsichert den Patienten und isoliert ihn durch einen nicht mehr vorurteilsfreien Umgang mit den Mitmenschen.
Um so intensiver werden dann auch noch ästhetische Verbesserungen durch Eingriffe an der Hand empfunden. Dieser Effekt sollte als Einstieg in die operativ notwendige Korrektur genutzt werden. Korrekturen der Hand sind Gewinner-Operationen, sind aber in hohem Maße abhängig von der Qualität des Eingriffs. Die Akzeptanz operativer Versorgung ist heutzutage sehr hoch. Bei aller Euphorie dürfen wir einen nicht vergessen - den Patienten. Seine Bedürfnisse sind oberste Priorität für den Entschluß zur Versorgung.


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Verein zur Förderung der Erforschung und Bekämpfung Rheumatischer Erkrankungen in der Orthopädie e. V. Bad Kreuznach