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Die
Differentialindikation des Oberflächenersatzes Gemini MK2"
-Aspekte zur Operationstechnik-
aus der Orthopädischen und Rheumaorthopädischen Abteilung des Diakonie Krankenhauses
im Rheumazentrum Bad Kreuznach
H. Thabe
(Erstpublikation in "Der Orthopäde")
Das rheumatische Kniegelenk mit seinen destruktiven Veränderungen stellt die
häufigste Ursache schwerer Gehbehinderung durch die Rheumatoide Arthritis
dar (6,11). Generell schwankt die Befallshäufigkeit zwischen 74% und 90%, bei vorwiegend
bilateralem Befallsmuster,ein unilateraler Befall wird in 30-35% beschrieben
(2,5.verbunden in 29,5% mit Bewegungseinschränkung, sowie in 18,8% mit Streckdefizit (6).
Instabilitäten werden in 83,4% durch Synovialishypertrophie mit Erweiterung des
Kapsel-Band-Apparates aber auch durch Destruktionen an Knochen und Knorpel als Kombination
von ossären und kapsuloligamentären Laxitäten in 40,5% der Fälle sichtbar. Die
Valgusdeformität ist die häufigste Achsabweichung bei der Rheumatoiden Arthritis, meist
kombiniert mit einer Flexions- und Außenrotationsfehlstellung. Wesentlich seltener sind
Varusfehlstellungen, die mit einer Innenrotationsfehlstellung kombiniert sind. Diese
Achsabweichung wurde bei 38,3% diagnostiziert (6).
Varusdeformierungen sind vorherrschend im Krankheitsbild der Osteoarthritis, Knorpel-
und Knochendestruktionen des medialen Kompartements mit nachfolgenden Zerstörung der
Patella und des Gleitlagers, exophytären Anbauten und Vergrößerungen der belasteten
Kondylen. Bei Instabilitäten des vorderen Kreuzbands wird eine zusätzliche
Innenrotationskomponente mit Abschliff der hinteren medialen Tibiagleitfläche bei
gleichzeitiger Vergröberung des Femurkondylus dominant.
In die Beurteilung der Destruktion des Kniegelenks muß eine Befundung der Hüft- und
Sprunggelenke mit einfließen, da eine enge funktionelle Wechselbeziehung zwischen Knie-
und Hüftgelenk auf der einen Seite, aber auch Knie- und Sprunggelenk auf der anderen
Seite vorhanden ist.
Neben Schmerz und Schwellung spielt die Instabilität sowohl bei der O.A. wie auch R.A.
eine wichtige Rolle, bedingt durch Elongation der Kollateralbänder sowie
anterio-posteriore Instabilitäten durch Destruktionen des vorderen Kreuzbandes (14). Eine
Atrophie der gelenkübergreifenden, stabilisierenden Muskulatur (M. quadrizeps,
ischiokrurale Muskulatur) leistet dann der komplexen Instabilität weiter Vorschub.
Das Operationsziel ist ein bewegliches, stabiles und schmerzfreies Kniegelenk. Dabei ist
eine Beugung über 90 Grad gerade ausreichend, nur so ist ein Aufstehen vom Sitzen ohne
große Kraftanstrengung möglich, da der Schwerpunkt über die Füße verlagert werden
kann (15). Die Wahl des Implantates ist abhängig von Grad der Destruktion, der
Achsfehlstellung, der Gelenkstabilität, der Beschaffenheit des Knochens und der Bänder,
des Bewegungsumfanges sowie der Patienten-Compliance.
Der unikondyläre Ersatz Schlittenendoprothese"
Bei unilateraler Destruktion kann eine Indikationsstellung für eine
unikondyläre Schlittenprothese indiziert sein. Voraussetzung sind intakte Kollateral- und
Kreuzbänder sowie ein intaktes kontralaterales Kompartiment. Osteonekrotische Prozesse
schließen die Indikation zur Schlittenprothese aus (4,17). Voraussetzung sind daher
Knorpeldefekte medial oder lateral, mit intakten, tragfähigen und belastungsfähigen
Bandstrukturen. Beide Kreuz- und beide Seitenbänder müssen vorhanden und belastbar sein
(9,19,20). Die Retropatellararthrose ist aus unserer Sicht nicht zwangsläufig eine
Kontraindikation für eine Schlittenversorgung, wenn durch Denervation und
Resektionsinterpositionsarthroplastik eine Lösung dieses Problems möglich ist.
Der Oberflächenersatz - "Schalenknie, Mod. Gemini MK 2 "
Bei intakten Kollateralbändern und Destruktion des vorderen
Kreuzbandes sowie unikondylärer Knochennekrose ist die
Indikation zum sog. Oberflächenersatz gegeben (14). Die Wahl der zementierten oder
zementfreien Implantation hängt von der biologischen Wertigkeit und intraoperativen
Qualität des Knochens ab. Die Verankerungsfrage muß von Fall zu Fall vom Operateur
entschieden werden (2,14). Hybridversionen mit zementfreiem Einbau der Femurkomponente und
zementierter Verankerung der Tibiakomponente finden größtenteils Verwendung (7). Dabei
legen wir besonderes Augenmerk auf eine sorgfältige Korrektur im Weichteilbereich mit
ausgiebigem Release und subtotaler Synovektomie. Die Verwendung einer rotierenden
Plattform als Plateau unterstützt dabei das gute Alignement und vermindert zudem den
Verankerungsstreß.
Kontraindiziert ist der Oberflächenersatz bei massiver Instabilität der
Kollateralbänder bzw. bei Destruktion einer der genannten Strukturen z.B. bei
Varus-Valgusdeformitäten von mehr als 25-30 Grad sowie ausgeprägten Beugekontrakturen.
Juvenile Patienten mit guter regenerationsfähiger Knochenstruktur werden in zementfreier
Technik mit hydroxylapatitbeschichteten Implantaten (12) und gelegentlich mit
zusätzlicher tibialer Markraumabstützung versorgt (16). Bei senilen Formen der
Arthritiden mit schlechten Knochenverhältnissen sind zementierte
Oberflächenersatzprothesen "Mod.Gemini" für uns die Methode der Wahl.
Wir verzichten generell auf die alloplastische Versorgung der Patellarückfläche
zugunsten von Versorgungen mit Resektionsarthroplastiken mit und ohne Interposition,
kombiniert mit einem lateralen Release und Resektion des Ramus Infrapatellaris des Nervus
saphenus.
Die gekoppelte Knieendoprothese (Endorotationsknie)
Größere Knochendefekte, ausgeprägte Instabilitäten und/oder Achsfehlstellungen
über 25-30 Grad mit Beugekontrakturen, Fehlstellung nach Ankylose und/oder extrem
schlechte Knochenqualität sind Indikationen für achsgeführte und intramedullär
fixierte Prothesen (8). Die vom Bandapparat getragene Gelenkfunktion muß in diesen
Fällen vom Prothesenmodell übernommen werden (18). Dadurch werden stärkere
Verankerungsprinzipien notwendig, um diese Funktionen auf Dauer übernehmen zu können.
Prothesenmodelle, die eine Rotationsbeweglichkeit ermöglichen (Endorotationsmodell)
werden bevorzugt, da weniger Krafteinwirkung auf die Prothesenverankerung übertragen wird
(8).
Weichteilreleasingtechniken bei starken Rotationkontrakturen schieben die
Indikationsgrenzen für achsgeführte intracondyläre Prothesensysteme weiter hinaus.
Reine Scharnierkniesysteme finden deshalb in unserem Krankengut bei
Wechseloperationen mit nur schwer beherrschbaren Rotationsfehlstellungen und bei nicht
mehr ausreichend funktionell rekonstruierbarem Weichteilmantel Verwendung.
Retropatellargelenk
Die Frage des retropatellaren Gelenkersatzes wird kontrovers diskutiert. Befürwortern
stehen ablehnende Stimmen gegenüber, die auf etwa gleich hohe Raten retropatellarer
Beschwerden mit und ohne Patellarückflächenersatz hinweisen. Im eigenen Kollektiv fanden
wir in 12% retropatellare Beschwerden (10,20). Wir verzichteten daher aufgrund der
obengenannten Ergebnisse auf den endoprothetischen Rückflächenersatz. Zur Minimierung
der retropatellaren Beschwerden führen wir seitdem zusätzlich konsequent eine
Denervation des Ramus infrapatellaris oder eine Denervation und Verkleinerung sowie - wenn
notwendig - eine Resektionsarthroplastik der Patella durch. Ein Realignement durch
additive Weichteileingriffe, wie z.B. laterales Release, wird großzügig gehandhabt.
Dadurch haben sich Retropatellarsymptomatiken auf unter 5% reduziert.
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Mobile Bearing Total Knee Arthroplasty with Gemini Mk 2
Aspekte zum Konzept der beweglichen
Tibiaplateaukonstruktion
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